In der Hitze des Gefechts solltest du als Fliegenfischer immer die Gesundheit des Fisches im Focus haben - es sei denn du möchtest ihn nach dem Drill nicht wieder in die Freiheit entlassen.

#1 – Die 10 Sekundenregel

Der Fisch verfügt über Kiemen und diese können wunderbar den Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen. Allerdings funktioniert dieses Atmungsorgan nur im Wasser und nicht an der Luft, da der Fisch keine Lungen hat. Daher kann ein Fisch auch nicht die Luft anhalten wie wir Menschen das können. Bevor du den Fisch nach einem möglichst raschen Drill für eine schönes Erinnerungsfoto vor die Kamera hältst, lass Ihn erst im Wasser eine oder zwei Minuten zur Ruhe kommen. Dann solltest du die 10 Sekundenregel beachten (Zähle am besten mit): Hebe den Fisch maximal 10 Sekunden aus dem Wasser (besser kürzer) und halte ihn dann zumindest 30 Sekunden wieder im Wasser, falls du ihn erneut aus dem Wasser heben möchtest. Danach solltest du ihn noch ca. eine Minute in Strömung halten, bis er von selbst davon schwimmt.

Die 10 Sekundenregel beim Fliegenfischen

#2 – Halte den Fisch nicht zu fest

Wir haben es leider schon viel zu oft gesehen, das Fische wenn sie zappeln immer fester gehalten werden. Durch diesen Druck kannst du den Fisch ungewollt verletzen, vor allem im Bauchbereich und rund um die Kiemen sind Fische sehr empfindlich. Dort liegen die inneren Organe mit dem Herz und auch die Atmungsorgane. Fische sind viel ruhiger, wenn sie nur auf der Handfäche aufliegen lässt und am Schwanz fixierst. Vor der Schwanzfloss befinden sich lediglich Muskeln und keine vitalen Organe. Sollte der Fisch zwischendurch unruhig werden, senke ihn kurz ins Wasser und lasse ihn atmen. Denke an die 10 Sekundenregel!

Fisch richtig halten beim Fliegenfischen

#3 – Fische mit widerhakenlosen Fliegen

Es ist ein viel verbreiteter Irrglaube, dass man weniger Fische landet wenn man mit widerhakenlosen Fliegen fischt. Wenn du den Fisch richtig Drillst und gut auf Spannung hältst, bekommst du ihn auch ohne Widerhaken. Ein schlecht gehakter Fisch wird sich mit und ohne Widerhaken lösen. Du kannst aber dem Fisch viel Gutes tun, indem du ihm den Haken nach der Landung rasch entfernst. Fliegen mit Widerhaken kannst du viel schwieriger entfernen und das bedeutet extra Stress für den Fisch. Denke an die 10 Sekundenregel! Alles was schnell geht ist gut für den Fisch!

Fischen mit widerhakenlosen Fliegen beim Fliegenfischen

#4 – Biete dem Fisch Paroli

Einen der größten Fehler die du beim Drill eines großen Fisches machen kannst, ist dir zu viel Zeit zu lassen! Je weniger du bestimmst wie der Fisch sich zu verhalten hat umso eher verlierst du die Kontrolle über die Situation. Strömungen und Hindernisse im Wasser üben extra großen Druck auf Haken und Vorfach aus und können diese aufbiegen bzw. brechen lassen. Obendrein ist es besser für den Fisch, ihn schnell zu landen. Benutze zum Landen immer ein Netz, das verkürzt die Drillzeit extrem! (Siehe Punkt #5)

Biete dem Fisch Paroli beim Fliegenfischen

#5 – Trage einen Kescher bei dir

Natürlich ist die schonendste Art einen Fisch zu landen, ihn nicht zu berühren. Das ist nicht immer möglich, besonders bei größeren Exemplaren oder wenn der Haken nicht ganz vorne im Maul sitzt. Mit einem Kescher aus knotenlos gewebten Netz, Silikon oder Kunststoff kannst du den Drill abkürzen und der Fisch kann sich gut im Netz erholen. Das Lösen des Hakens ist dann auch kein Problem. Die glatte Oberfläche der Netze ist obendrein sehr schonend für die Schleimhaut!

Trage beim Fliegenfischen einen Kescher bei dir

#6 – Ziehe den Fisch niemals in zu flaches Wasser

Das sogenannte „Beachen“ ist für den Fisch äußerst schädlich! Besonders bei der Lachsfischerei ist es sehr beliebt, einen großen Fisch in seichtes Wasser oder gar an das Ufer zu ziehen. Der Fisch schlägt dabei beim Versuch sich zurück in tieferes Wasser zu bewegen mit dem Kopf gegen Steine oder Hindernisse. Die inneren Verletzungen die er sich dabei zuziehen kann sind tödlich! Auch wenn er nach dem Release davon schwimmt, kann er Stunden danach an einem Schädeltrauma sterben.

Auf diesen Umstand sind ein Team von Fischbiologen aus BC, Kanada bei der Untersuchung von Steelhead Forellen gestoßen. Die Fische wurden, wie es sich gehört mit der Fliegenrute gefangen, anschließend mit GPS Sendern versehen und bei vermeintlich guter Gesundheit entlassen. Nach wenigen Stunden sind einige der Fische plötzlich verstorben. Diese konnten, dank GPS Ortung gefunden und untersucht werden. Es stellte sich heraus, dass die Steelhead keineswegs einen stahlharten Schädel hat, sondern dass der Kopf die empfindlichste Stelle des Fisches ist. Die Forellen haben sich durch das Schlagen mit dem Kopf gegen Steine lebensbedrohliche Verletzungen zugezogen!

Bitte denke daran, wenn du nächstes Mal einen Großen Fisch an der Angel hast, dass du ihn in zumindest im knietiefen Wasser landest, da er sonst auch der Gute Wille des Catch & Release nicht zielführend ist.

Ziehe den Fisch niemals in zu flaches Wasser

#7 – Feuchte deine Hände beim Landen an

Trockene Hände tragen mehr Schleimhaut vom Fisch ab und reduzieren so seine Schutzschicht gegen äußere Einflüsse. Feuchte deshalb deine Hände an, sobald es zur Landung kommt! Der Fisch wird es dir danken!

Feuchte deine Hände beim Landen an

#8 – Wenn der Haken tief sitzt

Es kommt leider ab und dann vor, dass der Fisch den Köder als zu verlockend sieht und ihn gierig verschluckt. Sollte dir das mit der Fliegen passieren, dann empfiehlt es sich lieber die Fliege im Fisch zu belassen und das Vorfach möglichst nah am Köder zu kappen. Ein herumstochern im Fischmaul macht viel mehr Schaden als die Fliege im Schlund zu belassen. Der Haken rostet und ist in wenigen Tagen oder Wochen verkapselt oder ausgeschieden. Es hindert auch den Fisch nicht an der Nahrungsaufnahme.

Wenn der Haken tief sitzt beim Fliegenfischen

#9 – Du magst doch Coke, oder? Es kann Fischleben retten!

Sollte ein Fisch an den Kiemen bluten, kann sich eine Coke als Lebensretter erweisen! Klingt komisch ist aber so! Unser Steelhead Guide in BC hat immer ein Dose Coke in der Kühlbox und diese wird auch immer erst am Ende des Fischtages getrunken. Denn während der Fischerei dient das Coke als First-Aid-Kit sollte mal eine Steelhead die Fliegen zu tief geschluckt haben und bluten. Wenn ein Fisch blutet wird das Coke in den Schlund gegossen. Die Blutung stoppt sofort und der Fisch hat gute Chancen den nächsten Frühling zu erleben!

Du magst doch Coke, oder? Es kann Fischleben retten

# 10 – Gib dem Fisch ein wenig Zeit bevor du ihn entlässt

Solltest du für den Drill deines Traumfisches länger gebraucht haben, widme ihm auch mehr Zeit bevor du ihn zurück in die Freiheit entlässt. Die meisten Fische können Wasser durch ihre Kiemen pumpen und somit das Blut mit Sauerstoff anreichern. Aber besonders im Sommer wenn das Wasser warm ist und die Sauerstoffsättigung sinkt, solltest du dir extra Zeit nehmen und den Fisch in die Strömung halten. Das fließende Wasser bringt mehr und schneller Sauerstoff an die Kiemen und die Erholung tritt schneller ein. Sobald der Fisch von sich aus wegschwimmt ist alles im Lot!

Gib dem Fisch ein wenig Zeit bevor du ihn wieder schwimmen lässt